Die Waffenruhe im Gazastreifen lässt endlich ein wenig Hoffnung aufkommen. Hoffnung auf eine Unterbrechung der grausamen Gewaltspirale, deren Opfer zuerst und vor allem Zivilisten waren und sind. Wer Verständnis hatte für die harten Reaktionen Israels auf Raketenangriffe der Hamas, war doch erschrocken, ja schockiert über die Gnadenlosigkeit der Militärschläge auf Moscheen und UN-Gebäude. Und wer dem Kampf der Hamas mit Sympathie begegnete, weil die Palästinenser sich von Besatzung und Unterdrückung befreien würden, konnte doch den Missbrauch von Frauen und Kindern als Schutzschild gegen Militärschläge nicht gutheißen.
Die Frage nach Täter und Opfer, nach Angreifer und Verteidiger verläuft nicht entlang der militärischen Gegner. Die Scheidelinie verläuft zwischen archaischen Anhängern des Prinzips Auge und Auge, Zahn um Zahn auf der einen Seite, und andererseits dem Weg friedlichen Respektes der “Anderen” und des Versuches, allmählicher, schrittweise Annäherung und - vielleicht irgendwann - der Aussöhnung.
Wer vor Jahrzehnten die blutigen Auseinandersetzungen in Nordirland erlebt hat, der hat Terrorangriffe und Häuserkampf für ein dauerhaft unlösbares Problem halten können. Heute ist das Geschichte. Oder aktuell: Wer die Jahrzehnte der rassistischen Unterdrückung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten beobachtet hat, woher sollte der die Hoffnung nehmen, dass einmal jemand wie Barack Hussein Obama den Eid auf die amerikanische Verfassung schwört - als Präsident eines Viel-Völker-Staates?! Und doch ist es geschehen.
Dass ein Volk sich nie mehr aufgeben will, das den Holocaust überlebt hat, erklärt sich von selbst. Es rechtfertigt keine Maßlosigkeit, aber hilft sie vielleicht zu verstehen. Seine Zukunft aber sind für Israel die Friedenskräfte, die jungen Menschen, die Kämpfer für Menschenrechte. Die jungen israelischen und palästinensischen Musiker des West-Ost-Diwan-Orchesters unter Leitung von Daniel Barenboim leben die Zukunft vor.
Bezöge sich der Konflikt allein auf die in Palästina und Israel lebenden Menschen, wäre eine Annäherung möglicherweise in überschaubarer Zeit erreichbar. Tatsächlich werden die Auseinandersetzungen immer wieder geschürt durch Kämpfe um globale Einflusszonen und Zugriff auf Ausbeutung von Rohstoffen - weltweit. Wer dabei zu den “Schurkenstaaten” gehört, das ist bereits wieder Gegenstand des Streits und Mittel der eigenen Legitimation. Nicht nur der Nahe Osten, auch afrikanische Kriege und Völkermorde wie im Kongo haben auch ökonomische Dimensionen. Kulturelle und religiöse Spannungen werden politisch missbraucht.
Mit Obamas Präsidentschaft verbinden sich viele Hoffnungen. Für den Nahen Osten könnte ein neuer Anlauf bevorstehen, mit internationaler Unterstützung die Stabilität, staatliche Ordnung und zivilen Wiederaufbau in den Vordergrund zu stellen. Auch den Palästinensern Arbeit, Einkommen, Freizügigkeit und Sicherheit zu ermöglichen. Den Israelis die Sorge von Angriffen zu nehmen.
Vor zwei Jahren war ich dort.
Welch ein Ort der Geschichte.
Der verschiedenen Religionen und vielfältigen, verwirrenden Sprachen. Wissenschaft.
So viel Ursprung, Geist, unendlich reiche Kulturen. Betäubend.
Es fehlt nur eins: Frieden.